26. Januar 2012
Deutschvölkische Burschenschaften laden am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zum Ball in die Wiener Hofburg. Dies gehört in Österreich noch immer zur postnazistischen Normalität.
Während man in Österreich bis heute mit klassischen Abwehrreaktionen rechnen muss, wenn die NS-Vergangenheit thematisiert wird, kann man in Deutschland den Fernseher bekanntlich gar nicht mehr einschalten, ohne dass einem ein Historikerdarsteller wie Guido Knopp etwas über »Hitlers Frauen«, »Hitlers Helfer« oder »Hitlers Krieger« erzählt. Über alles zu reden, um ja nichts zu begreifen – das ist Vergangenheitspolitik im heutigen Deutschland. Jenseits der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und ihrer Abspaltung »Bündnis Zukunft Österreich« passte die Alpenrepublik ihre anachronistische postnationalsozialistische Normalität in den vergangenen Jahren jedoch vorsichtig an die modernisierte Variante des Postnazismus der BRD an.
Infolge des »Gedankenjahres« 2005 scheint man mittlerweile auch in Österreich zu merken, dass die deutsche Variante der »Geschichtsaufarbeitung« im Vergleich zum antiquierten Verharmlosen, Verdrängen und Beschweigen eine zeitgemäßere Form der Auseinandersetzung mit dem alten und neuen Nazismus darstellt. Auch die etablierte Forschung zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Österreich konstatiert heute im Gegensatz zur Situation von vor zehn Jahren: »Die Bereitschaft zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gehört mittlerweile zum kulturellen Erwartungshorizont«, wie die Historikerin Heidemarie Uhl feststellt.
Und: Rechts, zwei, drei - vorbei