- Bulgarien
15. März 2013
Während momentan viele auf die erstarkende Rechte in Griechenland schauen, herrscht im Nachbarland Bulgarien Pogromstimmung. Die Regierung des Landes spielt diese seit Jahren herunter, die westliche Öffentlichkeit interessiert sich sowohl für die Opfer rassistischer Gewalt als auch für die Täter_innen nur wenig. Ziel und Opfer des Rassismus sind vor allem Roma. Die Täter_innen sind paramilitärisch organisierte Neonazis, Hooligans oder vermeintlich unbescholtene Bürger_innen. Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus und völkischer Pseudo-Antikapitalismus sind das ideologische Fundament.
Solidarität oder eine Repräsentation der Interessen der Roma im politischen System Bulgariens ist aufgrund des rassistischen und antiziganistischen Konsenses in einem großen Teil der bulgarischen Gesellschaft kaum zu finden. Zivilcourage wird im Zweifel eher bestraft als geehrt, wie man an folgendem Beispiel sehen kann: Der australische Tourist Jock Palfreeman mischte sich im Dezember 2007 ein, als zwei jugendliche Roma von 16 Neonazis zusammengeschlagen wurden. Daraufhin konnten zwar die beiden angegriffenen Roma fliehen, doch wurde nun Jock seinerseits von den Rassisten angegriffen. Im Laufe der weiteren Auseinandersetzung wurde einer der Angreifer schwer verletzt, ein anderer durch einen Messerstich getötet. Seitdem sitzt der mittlerweile 25-jährige Palfreeman in Bulgarien im Gefängnis; verurteilt zu 20 Jahren Haft wegen versuchten Mordes und wegen Mordes.
- Österreich
04. März 2013
Österreichs Rechtspopulisten verlieren an Zustimmung. In ihrer einstigen Hochburg Kärnten büßte die FPK massiv an Stimmen ein, statt der Rechten regieren dort künftig die Sozialdemokraten. In Niederösterreich holte der Milliardär Frank Stronach immerhin rund zehn Prozent. (Spiegel Online, Zeit Online)
- Türkei
04. März 2013
Auf einer UN-Konferenz hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan gefordert, Islamophobie als Verbrechen zu betrachten – wie Zionismus, Antisemitismus und Faschismus. Israel, die USA und die UN reagieren entsetzt. (Welt Online)
- Ungarn
04. März 2013
Wiener Gemeinde hilft jüdischen Migranten aus Ungarn. Alles andere als rosig beschreibt ein ungarisch-jüdisches Ehepaar, das jetzt in Wien lebt, die Situation im Nachbarland. »Jeden Tag gibt es Jobbik-Demonstrationen, bei denen auch antisemitische Parolen fallen. Immer öfter sieht man auf der Straße antisemitische Sprüche an Hausmauern«, erzählt der Mann. Seine Frau berichtet von einem Anwalt, der sich zum Installateur ausbilden lässt. Er möchte mit seiner Familie, die schon fleißig Hebräisch paukt, nach Israel auswandern. Als Jurist wird er dort nicht arbeiten können. (…) Eine Handvoll ungarisch-jüdischer Familien ist auch bereits nach Wien übergesiedelt, bestätigt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. (…) Deutsch will nun vor allem auf europäischer Ebene – auch innerhalb des European Jewish Congress – ein Bewusstsein für die schwierige Lage ungarischer Juden schaffen. »Ich finde es Wahnsinn, dass in der heutigen Zeit in Ungarn Minderheiten wie Roma, Sinti oder Juden solchen Anfeindungen ausgesetzt sind. Und ich verstehe die Verantwortlichen der Europäischen Union nicht, die hier schweigen. Was sich in Ungarn abspielt, sieht man und spürt man. Es kann im Europa der heutigen Zeit nicht sein, dass man solche Tendenzen zulässt.«
via jüdische allgemeine: Flucht aus Jobbik-Land
- Bulgarien
04. März 2013
Am 16.2.2013 versammelten sich 1000 Faschist_innen in Sofia um an die Ermordung des bulgarischen General Hristo Lukov zu gedenken. Dabei bekamen sie Unterstützung von Neonazis aus Rumänien, Kroatien und Deutschland. Etwa 100 Antifaschist_innen versammelten sich am gleichen Tag um an die Deportation von Jüd_innen aus Bulgarien im 2. Weltkrieg zu erinnern und gegen den Aufmarsch zu protestieren.
Der Hristo Lukov Marsch fand dieses Jahr zum zehnten Mal in Sofia statt. Es ist der größte Aufmarsch von Faschist_innen und Nationalist_innen in Bulgarien. Dazu reisen sie aus ganz Bulgarien und auch aus anderen Ländern, z.B. dieses Jahr aus Rumänien, Kroatien und Dortmund/Deutschland [1] an. Offiziell wird die Demonstration als Aufmarsch der Patriot_innen bezeichnet, welche dem Kriegsheld Hristo Lukov gedenken wollen. Dieser hatte im 1. Weltkrieg einige militärische Erfolge im Kampf gegen Serbien zu verzeichnen. Dabei verschweigen die Veranstalter_innen gerne die politschen Ansichten von Hristo Lukov. Er war Bewunderer Adolf Hitlers und Antisemit. Dies wird insbesondere an der Kritik am Bulgarischen König deutlich, da dieser keine Jüd_innen aus dem jetzigen Bulgarien deportieren wollte sondern “nur“ etwa 11.000 Jüd_innen aus dem von Bulgarien im 2. Weltkrieg kontrollierten Mazedonien und Nordgriechenland. Hristo Lukov wurde von kommunistischen Partisanen am 13.2.1943 erschossen und dies ist der Anlass für das Gedenken. Der Aufmarsch wird von der Partei BNS (Български Национален Съюз), welch immer wieder mit Hetze gegen Roma, Türk_innen und Kommunist_innen von sich reden macht, organisiert. Der Marsch wird unterstützt von anderen faschistischen Parteien und Organisationen, wie der VMPO, aber auch die rechtsradikalen Fußballfans von Levski Sofia mobilisieren zu diesem Event.
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