08. Mai 2012
Knapp sieben Prozent bei der Wahl am Sonntag – die griechische NS-Partei „Chrysi Avgi“ gilt für deutsche Gesinnungskameraden jetzt als Vorbild.
Pressekonferenz am Abend der griechischen Parlamentswahl: Nikos Michaloliako, Chef der neonazistischen Partei „Chrysi Avgi“ („Goldene Morgendämmerung“), betritt den Raum. „Alle aufstehen! Alle aufstehen! Erweisen Sie Ihren Respekt“, brüllt einer seiner Parteifreunde, der an der Tür steht. Wer seinem Führer nicht die erforderliche Achtung erweisen mag, soll verschwinden: „Raus hier! Sie können gehen.“ Ein paar Journalisten dürfen bleiben und erleben, wie Michaloliako zu seinem Monolog ansetzt, den Wählern seiner „volkstreuen, nationalistischen Bewegung“ dankt, Presse und Fernsehen beschimpft und ankündigt, der Widerstand gegen die „Junta des Ausverkaufs“ werde noch stärker weitergehen, „sowohl innerhalb wie außerhalb des Parlaments“.
Für Michaloliako ist es eine Stunde des Triumphs. „Veni, vidi, vici“, sagt er, kurz bevor er am Ende seines Vortrags ist: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“ Er ist an diesem Abend obenauf. Knapp sieben Prozent hat seine Partei bei der Wahl geholt. Drei Jahren zuvor waren es gerade einmal 0,3 Prozent. 21 seiner Abgeordneten bilden künftig den extrem rechten Flügel des Parlaments. Sie lösen die rechtspopulistische „Laikos Orthodoxos Synagermos“ (LAOS) ab, die zeitweise das Krisenprogramm der griechischen Regierung mittrug und dafür am Wahltag die Quittung erhielt: Knapp verfehlte die Partei die Drei-Prozent-Hürde.