internationale situation - Estland
11. Januar 2012
VERDREHUNG Estland will Ex-Angehörige der Waffen-SS per Gesetz als Kämpfer gegen die kommunistische Diktatur ehren. Die russische Minderheit und Moskau protestieren
Die Regierung des EU-Mitgliedstaats Estland in Tallinn will Freiwillige, die einen Eid auf Adolf Hitler leisteten, gesetzlich in den Rang von "Freiheitskämpfern" erheben. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll im März dem Parlament in Tallinn vorgelegt werden. Eine Mehrheit der Stimmen scheint sicher.
Russland hat dieses Vorhaben mittlerweile zu einem Protest veranlasst. Es sei "blasphemisch und nicht akzeptabel", "die von estnischen Nazi-Kollaborateuren begangenen Verbrechen unter dem Schleier des angeblichen Kampfs für die nationale Befreiung verstecken zu wollen", erklärte die russische Botschaft in Tallinn. Damit würden Bluttaten gefeiert und rechtfertigt.
Außerdem: "Struktur aus Blut"
internationale situation - Estland
12. März 2011
Am 11. März 1990 erklärte Litauen gegenüber der Sowjetunion seine Unabhängigkeit von 1918 als wiederhergestellt. Seitdem gilt in Litauen dieser Tag als die Geburt des heutigen Litauens.
In den letzten Jahren versucht die zunehmend wachsende litauische nationalistische Bewegung diesen Tag für sich zu besetzten. Vor vier Jahren zogen sie mit Hakenkreuzfahnen und 'Sieg Heil'-Rufen über die zentrale Straße der litauischen Hauptstadt Litauens. Im letzten Jahr wurde angesichts des Jubiläums die Demonstration zwar versucht etwas an den Rand zu drängen, was aber nichts daran änderte, dass sie nicht wenig Aufmerksamkeit auf sich zog. Auch im letzten Jahr spielte dann auf einem offiziellen Konzert anlässlich der zwangzig jährigen Unabhängigkeit von der Sowjetunion die größte Neonazi-Band Litauens (Diktatūra).
internationale situation - Estland
09. März 2011
Nach dem Zerfall der Sowjetunion erfüllte sich die in der Sowjetzeit erzogene baltische nationale Elite ihr Traum über eigenständige Verwaltung ihrer Staaten. Im Westen haben die nationalen Führer Estlands, Lettlands und Litauens ihre Verbundenheit zur Demokratie und europäischen Werten bekräftigt. Doch in ihren eigenen Staaten fingen sie an ethnokratische Regimes aufzubauen, die das Erwachen des Nationalismus und Xenophobie ermöglichten.
Zur Unterstützung der Politik der ethnischen Segregation, als Bekräftigung der Wegnahme der bürgerlichen Rechte von den Vertretern der nationalen Minderheiten, die hauptsächlich Russen sind, wurde die Politik des Geschichtsrevisionismus durchgeführt. Als Ergebnis dieser Politik wurde eine neue baltische Geschichte des 20. Jahrhunderts ausgedacht.
Laut den offiziellen Historikern Estlands, Lettlands und Litauens haben die baltischen Staaten gegen die Sowjetunion, also gegen die Antihitlerkoalition, doch für die Freiheit gekämpft. In den höchsten gesellschaftlichen Kreisen fing man an die Leute, die auf der Seite des Hitler-Deutschlands als Mitglieder der Waffen-SS, in polizeilichen Bataillons an dem Genozid der zivilen Bevölkerung teilgenommen haben, als Helden der Befreiungskriege zu bezeichnen und sie mit höchsten staatlichen Ehrenabzeichen für Tapferkeit im Kampf auszuzeichnen.
internationale situation - Estland
11. September 2009
Vergangenes Wochenende fand die alljährliche Versammlung der Veteranen der Waffen-SS in Sinimäe (Estland) statt. Dieses Jahr wurde das 65. Jubiläum der Kampfhandlungen gegen die Rote Armee bedacht, deswegen kamen mehr Teilnehmer als üblich (die Zahlen schwanken zwischen 400-1500). Neben den estnischen Veteranen, Parlamentsabgeordneten Trivimi Velliste und Mitgliedern der estnischen Armee, nahmen auch Vertreter aus anderen baltischen Ländern, Holland, Norvegen, Dänemark und sogar Georgien teil. Die Organisation hat eine Jugendorganisation "Club der Freunde des Estnischen Legions" übernommen, für Nachwuchs ist also gesorgt. Das Gelände wurde gesperrt, nur eingeladene Personen hatten Eintritt, Journalisten aus Russland werden nicht durchgelassen, die Bewachung übernimmt neben der estnischen Polizei, eine privates Sicherheitsunternehmen.