13. Februar 2012
Was die Debatte um die neonazistischen Morde der »Zwickauer Zelle« über den ost-, west- und gesamtdeutschen Rassismus verrät.
250 000 Straftaten mit rassistischem Hintergrund gab es nach offiziellen Angaben der Bundesregierung seit 1990 im vereinigten Deutschland. Mehr als 180 Tote und ungezählte Verletzte sind zu beklagen. Um das politische Ausmaß dieser Barbarei zu verstehen, ist es unumgänglich, sich mit der Geschichte dieses Rassismus zu beschäftigen. Genauso wichtig ist es aber auch, sich die Frage zu stellen, warum die Zahlen der rassistischen Straftaten im östlichen Teil der Bundesrepublik seit vielen Jahren mehr als doppelt so hoch sind wie im Westen. Die Aufdeckung der neonazistischen »Zwickauer Zelle« hat in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass das Thema in den Blick der Öffentlichkeit geraten ist. Denn die Herkunft der Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verweist auf zwei für jenen Rassismus konstitutive Momente: die frühe Sozialisation in der DDR und den Eintritt als junge Erwachsene in die sozialen und politischen Verhältnisse des vereinigten Deutschlands im Bundesland Thüringen.