24. Juli 2012

Neben dem Rostocker Fernbahnhof lag 1992 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende, kurz ZAst gennannt. Im gleichen elfstöckigen Plattenbau wohnten nebenan ehemalige vietnamesische „Vertragsarbeiter_innen“. In den Tagen zuvor trafen auch Asylsuchende rumänische Roma ein, denen die Aufnahme verweigert wurde. Fast 400 Menschen waren gezwungen vor dem Haus auszuharren, nicht einmal Toiletten oder Wasser wurde ihnen gestellt. Am einem Samstag Abend, dem 22. August, versammelten sich über tausend Rostocker_innen vor dem Haus. Gegen zwanzig Uhr warfen die Ersten mit Teilen von Gehwegplatten Fenster ein, später kamen Molotowcocktails hinzu. Aus der Menge wurden Parolen wie „Ausländer Raus“ und „Heil Hitler“ skandiert. Die anwesende Rostocker Polizei war damit beschäftigt, sich selbst zu schützen. Am nächsten Tag reisten erste organisierte Nazis an. Angreifer_innen brachen in das Haus der Vietnames_innen ein, die Polizei holte sie wieder heraus. Erst am Montag wurden die Menschen aus der ZAst evakuiert. Allerdings nicht die dort lebenden Vietnames_innen. Das Haus wurde von den Angreifer_innen beworfen und angezündet. Mehrere tausend Menschen schauten zu, klatschen Beifall und boten den Angreifenden Schutz. Die Bewohner_innen brachen verschlossene Notaufgänge auf und flüchteten über das Dach, während die Feuerwehr über eine halbe Stunde brauchte, um durch die Menge zu dem Haus durchzukommen.
Anlässlich des 20. Jahrestages dieser Ereignisse wollen wir am 25. August in Rostock, am Ort des tragischen Geschehens, auf die Straße gehen. Wir wollen dabei nicht nur an das tragische Geschehen erinnern, sondern auch ein Zeichen im heutigen Kampf gegenRassismus, Staat und Kapitalismus, also für eine herrschaftsfreie Gesellschaft, setzen.
Aufruf: Deutsche Zustände aufmischen
Hintergrundinfos: Vor 20 Jahren in Rostock - Ein Pogrom vor aller Augen
Demo: 25. August 2012 / 14 Uhr / S-Bhf. Rostock Lütten Klein / Mehr Infos: lichtenhagen.net